Klaus-Jürgen Deuser, damals noch offiziell "Knacki" Deuser erzählt von der ersten Show im Waschsalon
20.Juni 2000
Es ist 20:00 Uhr in Köln, genau genommen mitten im belgischen Viertel. Tolles Wetter, knapp 25 Grad. 9 Künstler treffen sich in einem Waschsalon, um ein kleines Wagnis ein zugehen.
Im Januar hatte ich die wage Idee, eine Stand-up Show in einem Waschsalon auf zu ziehen. Die Idee fand ich toll und jeder, dem ich sie erzählte, auch. Nur konnte es sich keiner vorstellen, dass so etwas klappen könnte. Ehrlicherweise muss ich hinzufügen, einer der größten Zweifler war ich selber. Drei Wochen habe ich gebraucht, um überhaupt den Waschsalonbesitzer ans Telefon zu bekommen und dann hatte es noch einmal zwei Monate gedauert bis ich ihn von dieser Idee überzeugen konnte. Na ja, überzeugt ist wohl zuviel gesagt. Unter der Bedingung, dass wir niemanden stören würden und der Betrieb ganz normal weiter ginge, könnten wir uns gerne mal eine Stunde auf die Fensterbank stellen und irgendwas erzählen. Zwei Termine bekam ich zu gesagt: Den 20. Juni und den 04. Juli 2000.
Jetzt hatte ich eine Ort aber noch keine Künstler. Immerhin hatte ich schon die "Band": Alex Flucht, ein alter Freund und Weggefährte, erklärte sich bereit, sich um Musik und Technik zu kümmern und Guido Schröder übernahm die Fotoaufnahmen. (so was konnte ich schon immer gut organisieren). Ein kleines Problem gab es leider doch noch, ich wollte unbedingt die neuen Talente fördern, aber mir ging es wie den meisten, ich kannte sie gar nicht. Und bis heute kann ich nicht sagen wie ich dann wirklich an sie heran kam. Vielleicht weil ich einfach alle gefragt habe, die irgendwie aufgetreten sind und immer noch nicht ganz wussten was aus ihnen werden soll.
Johannes Flöck war einer der Ersten, der mir zusagte. Ihn kannte ich aus Koblenz, weil er meine Schwester kannte. Das Problem war nur: Er machte noch gar keine Stand-up-Comedy, sondern mit seinem damaligen Partner Dirk Zimmer eher so eine Art Koblenzer Figurenkabarett. Interessant – so könnte man den Auftritt am besten beschreiben. Ich hoffe Johannes ist mir nicht böse, wenn ich sage, dass er mit seiner Figur "Max Kunstleben" keiner der regelmäßigen NightWash Stars und Moderatoren geworden wäre. Aber spannend war es….
Als nächstes sagte mir Sonja Kling zu, die ich bei einem Messejob angesprochen habe, ob sie nicht Lust hätte mal was in einem Waschsalon zu machen, natürlich ohne Gage. Erstaunlichweise sagte sie mir zu. Die Nummer war es auch. In einer sehr realistischen aber auch absurden Weise zerlegte sie als Dr. Kling ein aufgetautes Brathühnchen. Kein Wunder, dass sie jetzt festes Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist.
Michel Birbaek (toller Typ) las zum Thema Frauenliteratur. Was beweist, dass NightWash nicht nur Stand-up Comedy neu belebt hat, sondern nebenher auch noch Poetry Slam anschob und dass zu einer Zeit, in der mir der Begriff selbst noch nicht viel sagte. Ich glaube Michel ist zu uns gestoßen, weil er mit Sonja befreundet war. Das wäre zumindest ein Grund….
Marius Jung, der nächste Künstler, kannte ich von Galas und Messejobs. Er war fast schon der erfahrenste Künstler mit locker 15-20 Stand-up Auftritten. Er brachte (ein Kalauer muss sein) etwas Farbe in die Show und ich muss sagen er war und ist immer noch einer der besten Multiplikatoren der Szene. Er hat uns in der Anfangszeit viele Tipps für neue Künstler gegeben. An dieser Stelle noch einmal Danke dafür!
Martin Quilitz kam extra aus Berlin und ihn konnte man noch am ehesten als klassischen Stand-up Comedian bezeichnen. Ich wunderte mich zwar warum sein Humor für einen Berliner so staubtrocken war, aber nur bis ich raus bekam, dass er eigentlich aus Ost-Westfalen kam. Warum sind die dort alle so lustig? Haben die sonst nichts zu tun? Wieso er aber bei mir aufgetreten ist, weiß bis heute nicht.
Das gilt auch für den nächsten Künstler, der auch zugleich der Abräumer des Abends war - Martin Reinl mit seinem Kölngedicht. Habe ich gelacht. Sogar nach 8 Jahren weiß ich noch worum es ging. Zum Glück ist er ist ja mittlerweile mit seinen Puppen und seiner eigener Produktionsfirma gar nicht mehr aus der deutschen Fernsehlandschaft weg zu denken
Wir kamen um 20:00 Uhr und gingen um 22:15 Uhr und alles dazwischen ist Geschichte. Wir brauchten schon damals genau 25 Minuten für Aufbau und Soundcheck und wie immer fehlte ein Kabel. Nur im Gegensatz zu heute war der Waschsalon noch nicht voll besetzt mit Zuschauern, sondern, wer hätte es auch anderes erwartet, er war leer. Ganz leer war natürlich nicht: 3 einsame Wäscher schauten uns verdutzt an und verstanden nicht was in ihrem Waschsalon abging. Nervös wie ich war, hab ich es ihnen erklärt, aber auch das haben sie nicht verstanden. Vielleicht war das Konzept doch noch nicht ganz aus gereift, möglicherweise lag es aber auch nur an der Tatsache, dass sie kein Deutsch konnten.
Um 21:00 Uhr hatten wir 20 Zuschauer, was ich für eine akzeptable Anzahl hielt. Zumindest habe ich es so den anderen Künstler erklärt. Doch dann passierte das, was den Waschsalon so besonders machte. Da wir ja vor einer Fensterscheibe auf der Fensterbank spielten, konnte man uns auch von außen sehen und das war anscheinend sehr auffällig, denn immer mehr Leute blieben neugierig stehen. Noch heute glaube ich es interessierte sie weniger was wir machten als vielmehr die Tatsache dass wir was machten. Doch hätten jetzt zwei Menschen nicht die Chance, die sich bot ergriffen, die Leute würden jetzt noch draußen stehen. Mein großer Dank gilt zwei besonderen Menschen: Meinem Freund Guido und vor allem meiner Frau Natascha (sie hatte die Waschsalon Idee auch mit mir ausgearbeitet), denn die beiden standen an der Tür und luden die Leute ein, in den Waschsalon zu gehen. Und wären die beiden nicht so nett und so cool zugleich gewesen, nie wäre jemand rein gekommen. In Deutschland steht man doch lieber vor einer sicheren Fensterscheibe als das man an etwas teilnimmt, das man nicht kennt. Und dann auch noch kein Eintritt? Was soll das denn sein?
Egal, irgendwie haben sie es geschafft, dass aus 20 Zuschauern im Laufe des Abends 90 wurden und da hatte ich zum ersten Mal das Gefühl hier entsteht etwas Besonderes…











